Hemmschwellen zum Handwerk abbauen
Berufskolleg richtet eigene Klasse für junge Frauen ein
Das Kolping-Berufskolleg Paderborn möchte eine Brücke bauen zwischen Frauen und handwerklichen Berufen. Für das Schuljahr 2026/2027 richtet die Schule daher eine eigene Klasse für junge Frauen in der Ausbildungsvorbereitung (AVV) „Bau- und Holztechnik“ ein. Dieser Ausbildungsbereich ist nach wie vor stark männlich dominiert. Das versucht die Schule mit ihrem Pilotprojekt zu ändern. In ihrer monoedukativen Klasse bekommen die Schülerinnen einen geschützten Raum, in dem sie ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben können.
Am Kolping-Berufskolleg Paderborn bekommen junge Frauen in einer eigenen Klasse einen geschützten Raum, in dem sie ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben können. Foto: Matthias Plappert
In ihren Einschulungsgesprächen hat Schulleiterin Maren Meli oft den Eindruck gewonnen, dass alleine die Wörter „Technik“ und „Werkstatt“ auf Bewerberinnen schon abschreckend wirkten. Mit dem neuen Angebot möchte das Berufskolleg Hemmschwellen abbauen und jungen Frauen zwischen 15 und 23 Jahren, die Interesse an praktischem, kreativem und technischem Arbeiten haben, die Möglichkeit geben, sich auszuprobieren. „Erfolgserlebnisse in handwerklich-technischen Aufgaben stärken das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eröffnen neue berufliche Perspektiven im Handwerk“, erklärt Maren Meli die Beweggründe für das Pilotprojekt.
Thematik wird ganzheitlich aufgegriffen
Wie man in einem männerdominierten Beruf Erfolg haben kann, sollen die Schülerinnen in der Ausbildungsvorbereitung auch durch weibliche Vorbilder erfahren. So wird der Werkstattunterricht beispielsweise von einer Dachdeckermeisterin aus dem Kollegium durchgeführt. Begegnungen mit weiblichen Vorbildern im Handwerk finden sich auch im Lehrplan wieder. Denn das Thema „Junge Frauen in der Bau- und Holztechnik“ wird ganzheitlich in alle Unterrichtsfächer integriert: unter anderem im Sport durch Selbstbehauptung und -verteidigung, in der Berufsorientierung durch Workshops mit Handwerkerinnen, im Mathematikunterricht durch den Abbau von Angst vor Technik und Mathematik, in Politik mit der Beschäftigung mit Rollenbildern und Frauen in der Arbeitswelt und im Werkstattunterricht mit Praxisprojekten mit kreativem Gestaltungsschwerpunkt. Geplant ist zudem, mit dem SC Paderborn als Kooperationspartner ein Präventions- und Gesundheitsförderungsprojekt in die Ausbildungsvorbereitung zu integrieren.
„Mit der monoedukativen Ausbildungsvorbereitung möchten wir einen gleichberechtigten Zugang zu einem handwerklich-technischen Berufsfeld ermöglichen“, sagt Schulleiterin Maren Meli, die bisher fast nur Lerngruppen mit männlichen Teilnehmenden in der „Bau- und Holztechnik“ hatte. Mit Empowerment durch Erfolgserlebnisse, gezielte Förderung der handwerklichen Fähigkeiten, Ermunterung zur Experimentierfreude, Stärkung des Selbstbewusstseins, Unterstützung der Persönlichkeitsentwicklung und einer positiven Lernatmosphäre sollen junge Frauen ermutigt werden, Geschlechterstereotypen in der Berufswahl aufzubrechen.
Anmeldungen sind ab sofort möglich.