Turnhalle verwandelt sich in kosmische Erlebniswelt
Heilerziehungspfleger*innen laden Klient*innen ins Weltall
Es ist behaglich-dunkel. Einzig der Sternennebel schimmert in Rosa, Gold, Blau und Violett – garniert mit funkelnden Sternen und einzelnen leuchtenden Planeten. Wer wünscht sich nicht, im Trubel ein paar Minuten lang einmal alles ausblenden zu können? Eine kurze Auszeit mit einer Tasse Sternentee auf dem Blütenplaneten zu genießen, wo die Blumen größer als Bäume sind. Die Heilerziehungspfleger*innen des Theresia-Gerhardinger-Berufskollegs (TGB) hatten Weltraumforscher*innen zu einer Traumreise in die unendlichen Weiten des Weltalls eingeladen – eine von fünf Stationen ihrer „Reise ins Weltall“, mit der sie die Klient*innen ihrer Kooperationspartner in den Bann zogen.
Die Heilerziehungspfleger*innen des Theresia-Gerhardinger-Berufskollegs (TGB) hatten die Turnhalle in eine Weltraum-Erlebniswelt verwandelt. Foto: Jana Sudhoff
So wie sich der Geräteraum in ein stimmungsvolles Planetarium verwandelt hatte, erlebte die gesamte Turnhalle eine Weltraum-Metamorphose. Die Studierenden aus dem Heilerziehungsoberkurs hatten für ihre Projektwoche mit viel Liebe zum Detail und Handarbeit eine kosmische Mitmach-Erlebnis-Welt geschaffen. Ob kreativ, sensorisch, bewegend, stimulierend oder forschend – alle Stationen waren so vielschichtig wie möglich, um alle Zielgruppen aus der Heilerziehungspflege (HEP) anzusprechen. Eingeladen waren die Kooperationspartner – Lebenshilfe Höxter - Werkstätten und Kita gGmbH, bdks (Baunataler Diakonie Kassel), die Caritas Wohn- und Werkstätten (CWW), Haus am Scheid, Bathildisheim und Von-Galen-Schule. Rund 70 Gäste mit und ohne Behinderung – vom Kitakind über Klient*innen aus Wohn- und Werkstätten bis hin zu Senior*innen – ließen sich an unterschiedlichen Tagen von der Erlebniswelt mitreißen.
Gute Mischung aus Spannung, Bewegung und Kreativität
Die „Raumstation“ wurde zusehends zu einem Planeten aus Teelichtern. Die Raumfahrer*innen schwenkten eifrig Tischtennisbälle in einem bunt-beklecksten Karton. Über LED-Teelichter gestülpt verwandelten sich die effektreichen Acryillkunstwerke in leuchtende Planeten. Das Souvenir aus Murmeltechnik war sowohl bei jungen als auch älteren Gästen heißbegehrt.
Am „Sternenhimmel“ füllte sich das Firmament mit zahlreichen Sternenbildern. Um den Weltraum-Mandalas eine individuelle Note zu geben, griffen die Weltall-Tourist*innen zu Buntstiften und Markern. Die fertigen Werke mit Astronauten und Alien-bemannten Ufos in allen Facetten bildeten den perfekten Hintergrund für ein „Passfoto“ für die Astronautenlizenz, die als Andenken großen Anklang fanden.
Neugier und Entdeckerfreude konnten die Weltraumreisenden an der Taststation unter Beweis stellen. Ein schwerer Brocken unter den mit Naturmaterialien gefüllten Fühlkisten war die letzte. Dem Irrtum, man würde in Reis greifen, erlagen fast alle, die offenbar noch keine sensorischen Erfahrungen mit Weizenkörnern gesammelt hatten.
Zwischenzeitlich Schlange gestanden haben die Teilnehmenden beim Dosenwerfen auf die Alienbecher – bei vielen der absolute Renner unter den Angeboten. Da hat augenscheinlich den*die eine*n der Ehrgeiz gepackt. Sportlich wurde das Weltraum-Abenteuer auch beim Raketenkegeln. Wie fühlt sich ein Raketenflug an? Wer sich auf die auf Bällen schwingbare Sportmatte legte, konnte gedanklich zu einem Raketenflug ins All abheben.
Ein doppelter Gewinn für die Studierenden
Die gute Mischung aus Bewegung, Spannung und Kreativität kam auch bei den Trägern gut an. „Es war rundum stimmig“, lobte auch TGB-Lehrerin und Projektkoordinatorin Christiane Leck. Ein halbes Jahr hatte sie die Studierenden im Rahmen des Unterrichtsschwerpunktes „Projektarbeit“ auf die Projektwoche vorbereitet. Für die HEPler*innen die beste Gelegenheit, ihr Wissen in die Praxis mit echten Klient*innen umzusetzen. „Wir haben alles so inklusiv wie möglich konzipiert“, erklärte eine Studierende mit Blick auf die Angebote, die nicht nur niedrigschwellig, sondern auch anpassungsfähig an die Bedürfnisse, Behinderungsbilder und Interessen der Klient*innen waren. Die Studierenden haben ihr Lernziel erreicht: gemeinsame Angebote für die ganze Bandbreite der HEP-Zielgruppen zu entwickeln.
Auch für die HEPler*innen selbst ein Gewinn – in doppelter Hinsicht. „Die Projektwoche hat die Studierenden erleben lassen, wie vielfältig das Berufsbild der Heilerziehungspflege ist“, erklärt Christiane Leck. Zudem konnten sie neue Kontakte zu Betrieben knüpfen: besonders interessant für die Praktikumssuche mit Blick auf das anstehende Anerkennungsjahr.
Zwei weitere Wochen lang füllte sich die Turnhalle mit Leben. Auch die Erzieheroberkurse hatten sich für ihre Kooperationspartner Kreatives einfallen lassen.