„Da ist Herzblut drin“
Bernhard Hoppe-Biermeyer besucht Internationale Förderklasse
Die Jugendlichen aus den Internationalen Förderklassen am Kolping-Berufskolleg Paderborn treibt die Sorge um ihre Zukunftsperspektiven in Deutschland um. Oft erleben sie, dass sie trotz vorbildlicher Integrationsleistungen, schulischer Erfolge und konkreter Ausbildungszusagen keine Ausbildungserlaubnis erhalten oder zur Ausreise aufgefordert werden. Viele Fragen an die politischen Entscheidungsträger brennen ihnen daher unter den Nägeln. Jetzt fanden sie an prominenter Stelle ein offenes Ohr: Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU-Landtagsabgeordneter) stattete den Internationalen Förderklassen einen Besuch ab. Eine Stunde lang konnten die jungen Menschen ihre Fragen loswerden und ihre persönlichen Erfahrungen, Ängste und Träume schildern. Der Austausch erwies sich für beide Seiten als gewinnbringend.
Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Hoppe-Biermeyer war zu Gast in den Internationalen Förderklassen des Kolping-Berufskollegs Paderborn. Foto: Jana Sudhoff
„Mich interessiert, was euch bewegt“, hatte der CDU-Politiker aus dem Kreis Paderborn die Schüler*innen zu einem Dialog ermutigt. Einen solchen hatten die Schüler*innen vermisst, als sie drei Wochen zuvor im Düsseldorfer Landtag waren. Auf den Besuch hatten sie sich im Politikunterricht intensiv vorbereitet und waren mit vielen Fragen im Gepäck zum Landtag gefahren. Doch der Charakter des Programms „Demokratieschule" war informativ und ließ daher wenig Raum für einen Austausch. „Die Jugendlichen wollten ihre Erfahrungen gerne persönlich schildern — nicht, um Vorwürfe zu formulieren, sondern um gehört zu werden und ihre Perspektiven mit politischen Entscheidungsträgern zu teilen“, erklärte Klassenlehrerin Sabine Ipsen-Peitzmeier. Um diese Enttäuschung wieder wettzumachen, war jetzt der heimische Landtagsabgeordnete eigens in die Schule gekommen.
„Wir haben hier viel Potenzial für den Arbeitsmarkt“
Es entwickelte sich ein intensives Gespräch: von der Schilderung von Einzelschicksalen der Jugendlichen und den Auswirkungen des Dublin-Verfahrens über Fragen rund um die Anerkennung von Schul- bzw. Berufsabschlüssen bis hin zur Diskussion über aktuelle internationale Konflikte, die Wehrpflicht sowie die politische Entwicklung in Deutschland.
Die Einzelfallentscheidungen der Ausländerbehörde würden im Vergleich zum Vorjahr strenger ausfallen, berichtete Sabine Ipsen-Peitzmeier, die die Schüler*innen in dem Prozess intensiv begleitet. Vermehrt bekämen ihre Schützlinge inzwischen keine Ausbildungsduldung mehr, selbst wenn Ausbildungsverträge bereits vorliegen oder Ausbildungen schon begonnen haben. „Wir stecken viel Geld in die Ausbildung und machen den Schüler*innen damit Hoffnung,“ skizzierte sie die Problemlage. „Warum werden gute Integrationsleistungen nicht berücksichtigt und qualifizierte Zugewanderte nicht als Arbeitskräfte gehalten? Denn hier ist enorm viel Potenzial“, brach die Lehrerin eine Lanze für eine Optimierung in der Gesetzgebung.
Wenig Hoffnung machen konnte der Politiker den jungen Menschen, die ihren Asylantrag in einem anderen EU-Land gestellt hatten. „Wir müssen uns an die Absprachen halten, die wir im Rahmen der europarechtlichen Dublin-Verordnung getroffen haben“, betonte der Politiker. Die betroffenen Jugendlichen müssen in dem europäischen Land das Asylverfahren beenden, in dem sie einen Antrag gestellt haben. Darüber hinaus empfahl er denjenigen, deren Asylantrag abgelehnt wird, ihre in Deutschland erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten für einen Neustart im Heimatland zu nutzen oder von dort ihre Einreise als reguläre Arbeitskraft nach Deutschland zu beantragen. „Schlagen Sie den rechtlich geregelten Weg ein und lassen Sie sich von Rückschlägen nicht entmutigen. Haben Sie Ausdauer. Hartnäckigkeit zahlt sich oft aus.“ Denn: „Sprache und Bildung sind der Schlüssel. Mit Ihrem Wissen und den Qualifikationen, die Sie hier an der Schule erworben haben, haben Sie gute Startchancen bekommen,“ zollte er dem Lerneifer der Schüler*innen Anerkennung.
Lob für die engagierte Arbeit
„Wir bleiben im Dialog“, adressierte er an die Schüler*innen und das Kollegium des Kolping-Berufskollegs, von denen er sich mit einem großen Lob für die engagierte Arbeit verabschiedete. „Hier macht nicht nur jeder seinen Job, sondern hier ist Herzblut drin“, sagte Bernhard Hoppe-Biermeyer. Dass man sich so für die Schützlinge einsetze, sei außergewöhnlich. „Davon brauchen wir mehr Menschen in unserer Gesellschaft.“
Dankbar waren die Schüler*innen ihrerseits für den Besuch des Politikers. Sie gingen nicht nur mit dem guten Gefühl aus dem Gespräch, gehört worden zu sein. „Sie haben Handlungsoptionen aufgezeigt, aber auch eine realistische Einschätzung bekommen“, sagte Klassenlehrer Nicolas Trompeter. „Herr Hoppe-Biermeyer hat mit seinen Antworten die Hintergründe politischer Entscheidungen transparenter gemacht. Das war für die Schüler*innen eine wichtige Erkenntnis.“
Der persönliche Austausch mit einem Politiker war zudem das i-Tüpfelchen einer Unterrichtssequenz in den Internationalen Förderklassen. Zur Vorbereitung auf den Besuch im Düsseldorfer Landtag hatten die Schüler*innen unter anderem die Parteiprogramme analysiert, um in einer simulierten Plenarsitzung unterschiedliche politische Positionen zu einem Gesetzesentwurf einzunehmen und zu vertreten. Mit dem Ziel: Mut zu finden, die eigene Meinung zu sagen.