Einen Platz in der Gesellschaft finden

Irena Burmester kann ihre Passion bei Kolping verwirklichen

Menschen helfen, die deutsche Sprache zu lernen, damit sie in der Gesellschaft Fuß fassen – das treibt Irena Burmester bereits seit ihrem Studium an. „Die Sprache ist der Schlüssel zu allen Türen“, lautet ihre zentrale Botschaft auch an ihre heutigen Schüler*innen. Seit zwei Jahren unterrichtet die 46-Jährige am Kolping-Berufskolleg Paderborn (BKP) in den Internationalen Förderklassen vorrangig Deutsch als Zweitsprache – seit ihrer Feststellungsprüfung im Juni 2025 mit unbefristeter Lehrerlaubnis. An die Schule an der Otto-Stadler-Straße in Paderborn führte sie ursprünglich ihre zweite Leidenschaft: die Musik.

Porträt von Irena Burmester, Lehrerin am Kolping-Berufskolleg in Paderborn. Mit Herzblut setzt sich Irena Burmester dafür ein, dass die jungen Menschen aus den Internationalen Förderklassen am BKP ihren Platz in der Gesellschaft finden. Foto: Jörg Henze

Durch ihr musikalisches Engagement im heimischen Gemeindeleben war die Musikerin, Geigen- und Gitarrenlehrerin der BKP-Schulleiterin aufgefallen. Maren Meli gelang es, Irena Burmester für ein Musikprojekt ans Berufskolleg zu holen. Dort gab die Altenbekenerin vor zweieinhalb Jahren mit einer Gitarren-AG für die Schüler*innen und einer für die Lehrkräfte ihr Debüt. Zusätzlich startete sie ein „Seniorenheim“-Projekt mit Schüler*innen der Ausbildungsvorbereitung. Ein halbes Jahr später gehörte sie bereits als Deutschlehrerin zum Kollegium und unterrichtet seitdem auch Musik in den Internationalen Klassen. Gerade die jungen Menschen mit Migrationshintergrund waren es, die Irena Burmester ins Klassenzimmer lockten – trotz jahrelanger Bedenken, als Lehrerin an eine Schule zu gehen.

Kolping gab den Ausschlag für den Berufswechsel

Während und nach ihrem Magisterstudium in den Fächern Deutsch, Pädagogik und Spanisch hatte sie das Unterrichten im privaten Kontext vorgezogen. Im regulären Schulbetrieb hätte sie in den großen Klassen ihre Erfolgsaussichten schwimmen sehen, jede*m Schüler*in gerecht zu werden. „Während des Studiums habe ich angefangen an einer privaten Musikschule zu unterrichten“, berichtet Irena Burmester, die heute noch privat Geigenunterricht gibt und im Frauenensemble „Arte Musica“ spielt. Im Laufe ihres Studiums hatte sie zudem Kindern Nachhilfe gegeben – aus polnischen, spanischen und russischen Familien. Und in der Folge auch Hausfrauen, die Deutsch lernen wollten.

Die Rahmenbedingungen bei Kolping gaben den Ausschlag für ihre Neuausrichtung. „Das Kolping-Berufskolleg hat kleine Klassen. Das kam mir entgegen“, erklärt Irena Burmester, warum sie schließlich doch ins Lehramt wechselte. „Nach dem Leitbild Adolph Kolpings verdienen alle Menschen eine Chance, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Das hat mich bewegt“, betont Irena Burmester. Das passt zu ihrem eigenen Herzensanliegen: jungen Menschen mit Migrationshintergrund zu helfen, in Deutschland anzukommen.  

Ihre Erfahrungen fließen in den Unterricht ein

Denn die gebürtige Polin weiß, wovon sie spricht. Sie kam im Alter von 19 Jahren als Au-pair-Mädchen nach Deutschland. Aus dem geplanten Jahr in der Gastfamilie wurden fünf Jahre. Die Weltoffenheit, Kommunikationsfreude und die Vorliebe für verschiedene Kulturen sprang von der Gastfamilie auf die junge Frau über. Die Familie hat sie auch sehr dabei unterstützt, die deutsche Sprache zu lernen. Für viele ihrer Nachhilfeschüler*innen wurde sie zum Vorbild: „Es ist alles möglich, wenn man die Sprache kann“, sagt die heute 46-Jährige. Immer noch gut erinnert sie sich dennoch daran, wie sie sich gefühlt hat, wenn die Menschen sie damals nicht verstanden haben. Von diesen Erfahrungen profitiert auch der Unterricht der BKP-Deutschlehrerin. „Ich erzähle den Schüler*innen gerne, wie mein Weg nach Deutschland war und welche Hürden ich zu bewältigen hatte.“ Ihr Appell an ihre Schützlinge: „Es liegt an euch, dass ihr euch anstrengt und es schafft.“

Und der Weg dorthin führt immer wieder über Musik: „Sprache kann man gut durch Musik erlernen“, sagt die Deutsch- und Musiklehrerin. Um ein Gefühl für die Sprachmelodie, Aussprache und den Sprachrhythmus zu vermitteln, das Hörverstehen zu trainieren und den Wortschatz zu erweitern, stehen bei der Musikerin unter anderem deutsche Lieder – von Andreas Bourani und Nina Chuba – auf dem Lehrplan. „Musik ist die Weltsprache“, ist Irena Burmester überzeugt. Trotz Sprachbarrieren könne man über Musik – Klatschen, Trommeln, Bodypercussion – mit Menschen zusammenkommen.

Darum möchte sie, seitdem der Lern- und Prüfungsstress des Feststellungsverfahrens vorbei ist, im neuen Schuljahr wieder Musikprojekte anbieten. Das gehört zu den Boni ihrer Arbeit am Kolping-Berufskolleg Paderborn. „Hier kann ich etwas weitermachen, das ich gut kann“, freut sich die Musikerin. „Bei Kolping fühle ich mich wirklich richtig. Die Feststellungsprüfung war für mich die Chance, ins Lehrerleben einzusteigen und bei Kolping zu bleiben“, sagt Irena Burmester, die dafür von ihrem Kollegium die volle Unterstützung bekam: „Die Kolleg*innen standen mir stets mit Rat und Tat zur Seite.“

 

Weitere Porträts aus der Serie:

Jacqueline Wolter 
Stephanie Schmiedel
Tilman Bäcker
Oksana Lang
Christiane Leck
Daria Wiese
Marina Bidlingmeier
Raphaela Beineke
Heike Wengenmaier 
Evelyn Eickmeyer