Demokratische Strukturen erlebbar machen

Referent, Schülerin und Schüler, Zeitzeuge und Lehrer beim Workshop zum Thema staatliche Kontrolle im Kolping-Berufskolleg Gütersloh Seine Lebenswege kreuzten sich mit den markanten geschichtlichen Ereignissen der deutschen Teilung. Wolfgang Reiche hat alles selbst und mittendrin erlebt: den Mauerbau am 13. August 1961, einen gescheiterten Fluchtversuch am selben Tag, eine geglückte Flucht am 7. Oktober 1964 sowie den Fall der Mauer am 9. November 1989. Davon profierten jetzt die Schüler*innen der Ausbildungsvorbereitung in der Agrartechnik am Kolping-Berufskolleg Gütersloh.

„Da ist Herzblut drin“

Bernhard Hoppe-Biermeyer besucht die Internationalen Förderklassen des Kolping-Berufskollegs Paderborn Die Jugendlichen aus den Internationalen Förderklassen am Kolping-Berufskolleg Paderborn treibt die Sorge um ihre Zukunftsperspektiven in Deutschland um. Oft erleben sie, dass sie trotz vorbildlicher Integrationsleistungen, schulischer Erfolge und konkreter Ausbildungszusagen keine Ausbildungserlaubnis erhalten oder zur Ausreise aufgefordert werden. Viele Fragen an die politischen Entscheidungsträger brennen ihnen daher unter den Nägeln. Jetzt fanden sie an prominenter Stelle ein offenes Ohr: Bernhard Hoppe-Biermeyer (CDU-Landtagsabgeordneter) stattete den Internationalen Förderklassen einen Besuch ab. Eine Stunde lang konnten die jungen Menschen ihre Fragen loswerden und ihre persönlichen Erfahrungen, Ängste und Träume schildern. Der Austausch erwies sich für beide Seiten als gewinnbringend.

Schüler entdecken und erleben Demokratie

Der neue Democracy Guide steht mit einem Fragebogen in der Hand in der Mensa des Kolping-Berufskollegs Paderborn Das Kolping-Berufskolleg Paderborn (BK PB) möchte Demokratie im Schulleben mit möglichst viel Leben füllen. Dafür haben die Lehrkräfte jetzt aus der Schülerschaft Verstärkung bekommen. Alexander Frolow hat sich beim Kreis Paderborn zum „Democracy Guide“ ausbilden lassen. Weitere Demokratieexpert*innen sollen folgen. Christiane Risse von der Regionalen Schulberatungsstelle des Kreises Paderborn bringt ihnen in vier Modulen bei, wie Demokratie in der Praxis funktioniert. Die ausgebildeten Schüler*innen werden zu einer wichtigen Stütze im Schulleben, und das auf Augenhöhe mit ihren Mitschüler*innen.

Demokratiebildung ist niederschwellig, interaktiv, emotional

Der politische Bildner Stefan von Zons bei seiner Anmoderation der Ausstellung "Toleranzräume". „Druckbetankung in Sachen Demokratie – das ist keine Vorgehensweise, um Schüler*innen Demokratie nahezubringen“, sagt Stefan von Zons, der für das Kolping-Bildungswerk Paderborn die Indoor-Ausstellung „Toleranzräume“ betreut und moderiert hat. Er und seine Frau Sonja von Zons arbeiten als politische Bildner*innen und unter anderem als Demokratie-Trainer*innen. Im Interview mit dem Kolping Schulwerk sprechen sie darüber, wie eine gelungene Demokratiebildung in Schulen aussehen kann: Was sind bewährte Methoden und Formate? Wie können Lehrkräfte zu Demokratiebotschafter*innen werden? Wie kann man Haltung zeigen? Was muss sich für eine erfolgreiche Demokratieerziehung ändern?

Unzählige kleine Impulse und Situationen

Ein Kind sitzt auf einem grünen Teppich, im Arm ein Stofftier und vor sich ein aufgeschlagenes Bilderbuch. So wie Politiker*innen im Parlament über kontroverse Themen streiten, wird auch in der Kita gestritten – über Spielideen. In beiden Fällen müssen Lösungen gefunden, Kompromisse geschlossen, andere Meinungen angehört werden. „In vielen kleinen Situationen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, wird in der Kita ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung von Mitbestimmung, Verantwortung und sozialem Miteinander geleistet“, sagt Jana Falk, Leiterin der Kolping Kindertageseinrichtung Auguste in Bad Lippspringe. Eltern sei oft nicht bewusst, wie sehr demokratisches Handeln den Kita-Alltag prägt – auch außerhalb von Kinderparlamenten. „Demokratie ist kein pädagogisches Angebot, sondern spiegelt sich täglich in unzähligen kleinen Impulsen und Haltungen im Kita-Alltag wider“, betont Jana Falk.

„Ich werde gesehen und gehört“

Ein grünes Plakat mit handgeschriebenem Text in Deutsch und Englisch, auf dem ein rotes Stoppschild, ein "NEIN SAGEN"-Schild und ein "STOP"-Schild abgebildet sind, hängt an einer weißen Wand. Was wird nächste Woche in unserer Gruppe Besonderes gemacht? Für wen möchten wir Spenden sammeln? Welche Herbstdeko soll das Fenster zieren? Welches Spielzeug wünschen wir uns? Die Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung sind vielfältig – auch schon in der Kita. Nicht nur in den Kinderkonferenzen. Jeden Tag ergeben sich vielfältige Situationen, in denen Demokratiekompetenzen eine Rolle spielen, sagt Kathrin Kretschmer, Leiterin der Kindertageseinrichtung Springbach Höfe in Paderborn. Konfliktlösungen, Verantwortungsbewusstsein, Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und Geschmäckern, sich für andere einsetzen, Kompromisse, Partizipation – der Kita-Alltag ist gespickt mit demokratischen Herausforderungen. Unabhängig von konkreten Projekten wird in Kitas täglich in vielen, vermeintlich unscheinbaren Situationen Demokratieerziehung geleistet.